Neue Geschäftsführung, neues Management-Team: Wenn sich die Spielregeln verändern
Weil es sich lohnt, auf die Elefanten im Raum zu schauen.
In fast jedem Führungsteam gibt es Themen, die allen bekannt sind, über die aber selten offen gesprochen wird.
Vor kurzem durfte ich ein Management-Team in einer solchen Übergangsphase im Zuge eines Workshops begleiten.
Der Anlass war ein besonderer: Eine neue Geschäftsführerin hatte die Leitung übernommen. Gleichzeitig stand das Management-Team vor der Aufgabe, sich in dieser neuen Konstellation neu auszurichten.
Solche Situationen sind spannend. Denn obwohl viele Prozesse, Strukturen und Verantwortlichkeiten zunächst gleich bleiben, verändert sich oft mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist.
Menschen beobachten genauer und neue Erwartungen entstehen. Bisherige Gewohnheiten werden hinterfragt. Manche Themen gewinnen an Bedeutung, andere verlieren an Gewicht.
Kurz gesagt: Die Organisation beginnt sich neu zu sortieren.
Wenn sich die Führung verändert, verändert sich auch das Führungsteam
In solchen Übergangsphasen geht es selten nur um die neue Geschäftsführerin oder den neuen Geschäftsführer.
Mindestens genauso wichtig ist die Frage:
Wie wollen wir als Management-Team zusammenarbeiten?
Welche Erwartungen haben wir aneinander?
Welche Themen müssen wir ansprechen?
Und wie gehen wir mit unterschiedlichen Sichtweisen um?
Gerade unter Druck werden Unterschiede oft sichtbarer. Unterschiedliche Einschätzungen darüber, was gerade wichtig ist und Priorität haben soll. Unterschiedliche Vorstellungen von Führung und Kommunikation.
Das ist nicht ungewöhnlich, im Gegenteil: Es gehört zu solchen Übergängen dazu.
Entscheidend ist, ob diese Unterschiede bearbeitet werden können.
Raum für die Themen, die sonst selten Platz bekommen
Deshalb ging es im Workshop nicht nur um Inhalte, Projekte und Prioritäten. Wir haben bewusst Raum geschaffen, um über die Zusammenarbeit selbst zu sprechen. Über das, was im Alltag oft zwischen Meetings, Deadlines und Entscheidungen verloren geht.
Nicht mit dem Ziel, Harmonie herzustellen oder alle auf dieselbe Meinung zu bringen. Sondern um gegenseitiges Verständnis zu fördern und die Grundlage für gute Zusammenarbeit zu stärken.
Denn was nicht angesprochen wird, verschwindet selten. Es wirkt weiter – in Meetings, Entscheidungen und der täglichen Zusammenarbeit.
Zuhören, um zu verstehen
Ein Element des Workshops war ein Listening Walk.
In Zweiergesprächen, draußen in Bewegung in einem Park, standen Fragen im Mittelpunkt wie:
Wo erlebe ich dich schon?
Welche Wünsche habe ich an dich?
Was lassen wir bewusst hinter uns?
Einfach Zeit zum Zuhören.
Oft entstehen in solchen Gesprächen andere Perspektiven als im Besprechungsraum. Nicht weil Menschen dort weniger ehrlich wären, sondern weil Bewegung und echtes Zuhören neue Gedanken ermöglichen.
Es ist erstaunlich, welche intensiven Gespräche, auch über bisher Unausgesprochenes, diese Methode ermöglicht hat.
Gerade in Führungsteams, in denen viele Menschen gewohnt sind, schnell Lösungen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen, entsteht dadurch ein wertvoller Perspektivwechsel.
Am Ende war sich das Team einig: die Listening Walks waren unser Highlight! Wir nennen sie in Zukunft “Janina Walks” und werden sie in unserem Alltag integrieren.
Das zeigt, wie wertvoll diese Zeit für alle Beteiligten war.
Die Elefanten durch den Raum schicken
Ein Satz aus dem Workshop ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Die Geschäftsführerin beschrieb meine Rolle später so:
„Du hast auf eine ganz besondere Art und Weise sehr sanft, aber gewissenhaft die Elefanten durch den Raum geschickt.“
Ich musste schmunzeln und gleichzeitig steckt darin etwas Wesentliches.
Die Elefanten mussten gar nicht sofort gelöst werden. Zunächst ging es darum, sie sichtbar zu machen.
Denn erst wenn Spannungen, Unsicherheiten oder unterschiedliche Sichtweisen benannt werden können, entsteht die Möglichkeit, bewusst damit umzugehen.
Nicht jede Spannung muss verschwinden. Nicht jeder Konflikt braucht sofort eine Lösung.
Aber Führungsteams profitieren davon, wenn sie über die Themen sprechen können, die ohnehin längst im Raum sind.
Orientierung entsteht nicht durch Harmonie
Viele glauben, gute Management-Teams seien sich immer einig. Meine Erfahrung ist eine andere.
Gute Management-Teams können Unterschiede, Spannungen und Konflikte ansprechen und aushalten, ohne ihre gemeinsame Handlungsfähigkeit zu verlieren.
Gerade in Phasen von Veränderung ist das oft wichtiger als die perfekte Lösung.
Eine neue Geschäftsführung bringt neue Perspektiven, neue Erwartungen und oft auch neue Möglichkeiten mit sich. Damit daraus Orientierung entsteht, braucht es Räume für Gespräche, die im Alltag sonst selten stattfinden.
Denn Veränderung beginnt nicht erst mit einer neuen Strategie oder einer organisatorischen Anpassung.
Sie beginnt oft viel früher: in den Gesprächen darüber, wie Menschen künftig zusammenarbeiten wollen.
Du stehst vor einer Veränderung im Führungsteam oder möchtest die Zusammenarbeit in deinem Management-Team stärken? Ich begleite Führungsteams dabei, Spannungen sichtbar zu machen, Orientierung zu schaffen und auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig zu bleiben.