Ein Führungsteam, das sich findet: Zwei Tage Teamarbeit und Zusammenarbeit mit Klarheit und Leichtigkeit
Einblicke aus einem Führungsworkshop in Klagenfurt
Vor kurzem war ich in Kärnten, genauer gesagt in Klagenfurt, um ein Führungsteam zwei Tage lang zu begleiten. Zwei Tage Raum für Reflexion, Austausch und das gemeinsame Nachdenken darüber, was Führung heute eigentlich braucht und was sie erschwert.
Schon beim Ankommen war klar: Das werden intensive Tage. Nicht, weil etwas „brennt“, sondern weil viel gleichzeitig da ist. Hoher Druck, ständig wechselnde Prioritäten, hohe Erwartungen - und die leise Frage, die viele Führungskräfte kennen: Wo ist eigentlich die Leichtigkeit geblieben?
Worum es in diesen zwei Tagen ging
Der Workshop hatte mehrere Ebenen, die bewusst miteinander verbunden waren:
Ich in meiner Führungsrolle
Wie stehe ich zu meiner Rolle? Wo bin ich klar, wo unsicher? Wo trage ich mehr, als eigentlich nötig wäre?Wir als Führungsteam
Wie arbeiten wir zusammen? Wie nutzen wir unsere Unterschiede und wo umgehen wir sie lieber?Führung als Dienstleistung im System
Nicht als Status oder Position, sondern als Beitrag für Organisation, Mitarbeitende und Zusammenarbeit.Und ja: auch Kulturarbeit
Denn Führung prägt Kultur durch das, was gesagt wird, und durch das, was unausgesprochen bleibt.
Diese Themen sind nicht neu. Und trotzdem sind sie in vielen Organisationen hochaktuell. Gerade dann, wenn der Alltag wenig Raum lässt, innezuhalten und das eigene Handeln zu reflektieren.
Führung unter Druck: ein bekanntes Muster
Wie in vielen Organisationen waren auch hier ähnliche Spannungsfelder präsent:
hoher Druck, viele parallele Themen, wenig Zeit. Führung findet oft zwischen Terminen statt und zwischen Erwartungen, die nicht immer miteinander vereinbar sind.
In solchen Kontexten wird Führung schnell funktional. Entscheidungen müssen getroffen, Themen abgearbeitet, Probleme gelöst werden. Was dabei leicht verloren geht, ist der Blick auf das Wie der Zusammenarbeit und auf die Menschen, die führen.
Und genau hier wurde es in diesem Workshop spannend.
Die zentrale Erkenntnis: Wir haben einander
Im Laufe der zwei Tage kristallisierte sich eine Erkenntnis heraus, die einfach klingt und doch viel Tiefe hat:
Wir haben einander.
Und wir sollten unsere Kooperation als Peers viel bewusster nutzen.
Führung kann herausfordernd und sie kann einsam sein. Gerade dann, wenn Verantwortung hoch ist und Entscheidungen weitreichend sind. Wer, wenn nicht andere Führungskräfte im selben System, kann diese Realität wirklich nachvollziehen?
Diese Erkenntnis war kein „Aha-Moment“ im Sinne einer plötzlichen Lösung. Sie war eher ein leises Sortieren. Ein Wahrnehmen dessen, was eigentlich schon da ist und bisher zu wenig genutzt wurde.
Zusammenarbeit im Führungsteam bewusst gestalten
In der Arbeit mit Führungsteams geht es mir nicht darum, ideale Bilder von Führung zu entwerfen. Sondern darum, reale Zusammenarbeit sichtbar zu machen.
Fragen, die in Klagenfurt Raum hatten, waren unter anderem:
Wo unterstützen wir uns gegenseitig und wo bleiben wir alleine?
Wo sprechen wir Dinge offen an, und wo weichen wir ihnen aus?
Wie nutzen wir unsere Rolle als Peers, jenseits formaler Zuständigkeiten?
Diese Fragen lassen sich nicht „abarbeiten“. Sie brauchen Zeit, Dialog und die Bereitschaft, auch Unfertiges stehen zu lassen.
Meine Rolle als Organisationsberaterin im Workshop
In solchen Prozessen sehe ich meine Rolle klar:
Ich schaffe einen Rahmen, in dem Reflexion möglich wird. Ich mache Muster sichtbar, ohne sie vorschnell zu bewerten. Und ich unterstütze Teams dabei, wieder handlungsfähiger zu werden - gerade dann, wenn vieles gleichzeitig in Bewegung ist.
Ein Workshop löst keine strukturellen Spannungen. Aber er kann etwas Entscheidendes tun:
Er kann Orientierung schaffen.
Orientierung darüber, wo man steht.
Orientierung darüber, wie man zusammenarbeitet.
Und Orientierung darüber, was als nächstes sinnvoll ist – und was vielleicht noch warten darf.
Leichtigkeit als ernstzunehmendes Thema
Ein Thema, das immer wieder aufkam, war die Suche nach Leichtigkeit. Nicht im Sinne von „alles soll leicht sein“, sondern als Gegenpol zu permanentem Druck.
Leichtigkeit entsteht nicht durch weniger Verantwortung.
Sie entsteht oft durch Klarheit, durch geteilte Verantwortung und durch das Wissen, nicht alles alleine tragen zu müssen. Und manchmal entsteht sie durch neue Routinen, die Freude bereiten!
Was es sonst noch zu erzählen gibt
Es gab ein Sofa im Seminarraum. Ja, wirklich.
Und es wurde genutzt.
Es gab Kärntner Kasnudeln – eindeutig ein Highlight.
Gutes Essen verbindet. Auch das gehört zur Arbeit.
Es wurde gerätselt, wie man meinen Vornamen ausspricht.
Zur Klarstellung: [Schanina]. Ich freue mich jedes Mal, wenn jemand nachfragt.
Ich habe gelernt, dass „Karjola“ auf Kärntnerisch Schubkarre heißt und aus dem Italienischen kommt.
Und dass der Lindwurm, das Wahrzeichen Klagenfurts, gar nicht wie ein Wurm aussieht.
Diese kleinen Beobachtungen sind kein Beiwerk. Sie sind Teil dessen, was Zusammenarbeit menschlich macht. Und sie erinnern daran, dass Organisationen nicht nur aus Rollen, Strukturen und Prozessen bestehen, sondern aus Menschen.
Führung, Kultur und Alltag
Was ich aus diesen zwei Tagen mitgenommen habe, ist eine bekannte, aber immer wieder relevante Erkenntnis:
Kulturarbeit passiert nicht in Leitbildern. Sie passiert im Alltag und in Gesprächen. In Entscheidungen. In der Art, wie Führungskräfte miteinander umgehen.
Führung als Dienstleistung im System heißt auch, sich selbst nicht aus dem System herauszunehmen. Sondern sich als Teil davon zu verstehen. Mit der dazugehörigen Verantwortung, aber auch mit Begrenzungen.
Ein Abschluss mit Wirkung
Am Ende der zwei Tage stand kein Maßnahmenkatalog.
Was blieb, war etwas anderes: ein gemeinsames Verständnis, mehr Klarheit über die eigene Rolle und die bewusste Entscheidung, Kooperation im Führungsteam stärker zu nutzen. Ja, es gab auch Next Steps Items, schließlich soll es nach dem Workshop nächste Schritte geben.
Das mag unspektakulär klingen. In der Praxis ist es oft genau das, was nachhaltige Veränderung möglich macht.
Danke Klagenfurt.
Es war äußerst kamot.